Wir, die „Raging Bulls“, sind nicht dafür bekannt, leise zu sein. Schon gar nicht, wenn unser geliebter FC Red Bull Salzburg Woche für Woche so eine trübe Vorstellung auf den Platz bringt, dass selbst eingefleischte Optimisten inzwischen ernsthaft über ein neues Hobby nachdenken – Tretbootfahren zum Beispiel, da hat man wenigstens das Ruder noch in der Hand.
Letsch und Führungsspieler und überhaupt
Seit Thomas Letsch das Kommando übernommen hat, ist einiges passiert. Nein, nicht nur Schlechtes, so ehrlich muss man sein – ab und zu blitzt so etwas wie Fußball auf, den man fast mit einem anerkennenden Nicken quittieren könnte. Aber eben nur ab und zu. Konstanz? Fehlanzeige! Das ist aktuell ein Fremdwort, das in der Mannschaft offenbar genauso unbekannt ist wie das Wort „Führungsspieler“.
Und genau da liegt eines der dicken Probleme: Es fehlt an Spielern, die mal den Mund aufmachen, wenn wieder einer blindlings in den Gegner reinrennt oder sich nach einem Fehlpass betend auf den Rasen schmeisst. Ein Kapitän, einer, der die Jungen (obwohl selber jung) mal zur Seite nimmt und ihnen klarmacht, dass der Ball ins Tor muss und nicht ins Nirgendwo. Also Bidstrup. Und natürlich Schlager. Aber mehrere solche Typen? Weit und breit nicht zu sehen. Stattdessen ein Haufen Talent, das auf dem Platz oft orientierungslos umherstolpert wie eine Gruppe Austauschstudenten am ersten Tag in der Großstadt.
Letsch selbst kann einem fast leid tun. Der Mann läuft an der Seitenlinie auf und ab, winkt, ruft – aber es scheint, als würde er versuchen, einem Sack Flöhe taktische Disziplin beizubringen. Manchmal fragt man sich: Wollen die überhaupt? Oder haben sie die Motivation irgendwo auf dem Parkplatz verloren, als sie aus dem Bus gestiegen sind?
Besonders schmerzhaft: Es gab wirklich Spiele, in denen Salzburg aufblitzte, als könne alles doch noch gut werden. Ordentliche Siege, schöne Kombinationen, sogar Kampfgeist – ja, das gibt es tatsächlich noch. Aber dann? Im nächsten Spiel wirken die Burschen, als hätten sie am Vorabend einen Netflix-Marathon über „Wie vergeige ich sicher ein Match“ veranstaltet.
Und die Rückschläge? Sie kommen nicht einfach – sie donnern heran wie ein Orkan auf offener See. Jedes Mal, wenn man denkt, tiefer kann man nicht sinken, findet jemand einen neuen Weg, uns zu enttäuschen. Sei es durch pomadiges Zweikampfverhalten, schülerhafte Fehlpässe oder das komplette Versagen im Abschluss
Wir sind trotzdem immer da
Als Raging Bulls stehen wir immer hinter der Mannschaft und dem Verein. Aber verdammt, es wird einem wirklich nicht leicht gemacht. Jede Woche auf ein neues Wunder hoffen – und am Ende sitzt man da, Bier in der Hand, Fluch auf den Lippen, und fragt sich: Wie konnte das schon wieder so schiefgehen?
Wir wünschen uns nichts Großes. Keine Weltwunder. Einfach wieder eine Mannschaft, die Bock hat zu gewinnen. Die sich auch mal wehrt, wenn’s nicht läuft. Die eine Niederlage nicht als nette Abwechslung zum Trainingsalltag sieht. Wo ist dieser Spirit hin, dieser unbändige Wille, der uns einst auszeichnete?
Vielleicht braucht es am Ende doch wieder ein bisschen mehr alte Schule: Typen, die den jungen Kerlen Feuer unterm Hintern machen und notfalls mal einen deutlich hörbaren Weckruf durch die Kabine brüllen. Und vielleicht, ganz vielleicht, einen Trainer, der nicht nur erklärt, was Taktik ist, sondern auch, warum man verdammt noch mal Lust haben sollte, auf diesem Platz zu stehen und sich den Allerwertesten aufzureißen.
Bis dahin bleiben wir, die Raging Bulls, natürlich dran. Meckernd, fluchend, manchmal ironisch grinsend. Aber vor allem: loyal. Auch wenn’s manchmal weh tut, ein Fan zu sein.